Plattformarbeit? Nein danke!

Plattformarbeit? Nein danke!

18. März 2021
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2 Responses

Ein Beitrag von Ronny Weise

Im Februar 2021 erreichte den Texterverband eine Presseanfrage vom Deutschlandfunk: wie wir denn zur Plattformarbeit stünden? 

Unsere Antwort: Darauf stehen wir gar nicht. Hier das vollständige Statement.


Der natürliche Feind guter Texte: ein schlechter Preis

Clickworker
Photo by Marcel Strauß on Unsplash

Wir raten unseren Mitgliedern und allen, die qualitativ hochwertige Arbeit leisten, unbedingt von Crowdworking-Plattformen ab. Ohne Einschränkungen. Mit Ausrufezeichen. 

Ein Centpreis für Worte ist der natürliche Feind guter Texte. Um das an einem Extrembeispiel festzumachen: Es gibt Slogans, die nicht umsonst Tausende oder Zehntausende von Euro gekostet haben, weil in ihnen tatsächlich Hunderte von Stunden kreative Arbeit stecken können. Auch wenn es am Ende nur drei kurze Wörtchen sind.

 

Hand- und Hirnarbeit mit Multidimensionaler Mehrwertkraft

Kalkulatorische Dimensionen eines Texts sind neben Umfang, Qualitätsanspruch und Qualifikation auch Arbeitsaufwand und Nutzungsart, also der Mehrwert für den Kunden. Recherche, Korrekturschleifen, Nutzungsrechte … – das auf eine simple Mengenangabe herunterzubrechen wie „ein Pfund Tomaten drei Euro“, ist allein schon abenteuerlich, weil es sich bei Texten immer um Maßanfertigungen handelt. Gute Texter:innen liefern keine Standardware, sondern einzigartige, hochwirksame Produkte.

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Wir helfen gern – zum Beispiel bei einer fairen Vergütung

Da viele Auftraggeber:innen und auch einige Kolleg:innen sich einfache Kalkulationsgrundlagen wünschen, gibt der Texterverband seit vielen Jahren den MARKTMONITOR (https://www.texterverband.de/marktmonitor) heraus – basierend auf Erhebungen unter unseren Mitgliedern. Wir erarbeiten gerade eine neue Version, die im April 2021 erscheinen soll. 

Die Anfrage

[…] für einen Radiobeitrag im Deutschlandfunk recherchiere ich zum Thema Plattformarbeit. Ich habe dazu unter anderem mit einer Texterin gesprochen, die ihre Aufträge über Plattformen generiert.

Mich würde Ihre Einschätzung zu Crowdworking im Texter-Bereich interessieren. Kann man sagen, was ein durchschnittlicher Stundenlohn / durchschnittliches Honorar pro Wort auf dem freien Markt ist und wie sich
das zu Plattform-Preisen verhält?

Raten Sie Ihren Mitgliedern zur Zusammenarbeit mit Plattformen oder nehmen Sie von diesen Geschäftsmodellen eher Abstand und wenn ja, wieso? Welche Vor- oder Nachteile bringt in Ihren Augen Crowdworking mit sich? […]

Und was daraus geworden ist: 

Zur Reportage des Deutschlandfunks

PLATTFORMARBEIT MACHT GUTE ARBEIT PLATT

Ein marktgerechter Stundenlohn für freiberufliche professionelle Werbetexter*innen lässt sich derzeit mit 90 Euro beziffern. Nur für gewisse Produkte kann ich daraus – mit Einschränkungen – einen ungefähren Wert pro Wort ableiten. Das tue ich jetzt mal für Sie. Ganz unverbindlich: Da wären wir bei deutlich über einem Euro pro Wort. 

Und jetzt vergleichen wir es mal mit den ‘Honoraren’ von Textbroker, welche zwischen 0,8 und 4,3 Cent pro Wort liegen. Selbst, wenn eine Person sehr schnell schreiben würde und dabei gleichzeitig die höchste ‘Qualitätseinstufung’ des Portals erfüllen würde, hätte sie dort arge Schwierigkeiten, überhaupt im Bereich des Mindestlohns (aktuell 9,50 Euro pro Stunde für Angestellte!) anzukommen. Wer da nicht lieber putzen geht, ist wirklich selber Schuld.

Photo by Matthew LeJune on Unsplash
Photo by Kai Pilger on Unsplash

Ein Statement gegen Ausbeutung und Ramsch

Plattformarbeit ist nicht nur disruptiv, sondern schafft prekäre Lebenssituationen. Der Texterverband steht genau auf der anderen Seite: Unsere Mitglieder müssen beweisen, was sie können, um zeigen zu können, was sie wert sind. Wir holen die Besten rein. Sie holen das Beste raus. 

 

Genug geschrieben. Das wird doch viel zu teuer!

 

Foto: Weiseworks
Ronny WEise
Werbung mit Wort und Plan

Kreative Arbeit, die berührt. Und Menschen verführt. Weise works.

Bei mir gibt’s weise Worte für Unternehmen mit Verstand. Damit die Kunden den Produkten hinterherlaufen, als hätten sie ihren Verstand verloren. Haben sie nicht. Sind nur verliebt. In eine echt schicke Marke. Featured by Weiseworks.

Ronny Weise ist Senior Texter und Kreativdirektor in Berlin. 
Er war von 2018 bis 2021 im Vorstand des Texterverbands tätig.

www.weiseworks.de

 

2 Antworten

  1. Als Lebensabschnittskölner habe ich die Kölsche Weisheit schätzen gelernt: Et is, wie et is. Will sagen in diesem Fall: Es gibt sie nun mal, die Plattformtextys. Manche verdienen sich auf diese Weise zu einem anderen Job oder zu Bafög oder zur Sozialhilfe oder wozu auch immer ein paar Kröten dazu für eine Arbeit, die sie gerne machen. Manche nutzen das auch als Akquise-Instrument: Man kann, mit einigem Glück und Geschick, über Plattform-Aufträge Auftraggeber kennen lernen, sich selber dort mit Texten präsentieren und schließlich richtige Aufträge bekommen. Jedenfalls habe ich selbst eine solche Plattform bereits als Auftraggeber genutzt, um mir bei einem Auftrag zuarbeiten zu lassen, bei dem die Zeit knapp war. Ein Problem ist allerdings aus Auftraggebersicht, dass man, zumindest anfangs bei den Erstkontakten zu Auftragnehmys, nicht wirklich briefen kann. Man kriegt also Textmaterial, das man dann filtern und überarbeiten muss. Wo es um Masse geht, z. B. Produkttexte für eine größere Website, kann das aber hilfreich sein.

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